Die Taktik des anderen durchschauen, ihn darauf ansprechen und dann an die Höflichkeit appellieren.
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Vorsicht: Spione auch in Deutschland unterwegs

Russland und China sind berüchtigt dafür. Die USA machen es auch hin und wieder. Und wenn es in Europa passiert, sind viele verwundert und der Aufschrei ist groß.

So auch, als kürzlich die Chefunterhändlerin für Griechenland des IWF in ihrem Hotelzimmer ausspioniert wurde. Offenbar befand sich eine Wanze im Zimmer, die einem Geheimdienst brisante Informationen zugänglich machte.

Das klingt interessant und betrifft Sie nicht? Seien Sie sich mal nicht so sicher, dass Sie nicht auch schon abgehört wurden.

Bei Big Deals keine Seltenheit

Jetzt denken Sie vielleicht: „Van Eckert, sei mal nicht paranoid!“ Aber das bin ich keinesfalls.

Denn schließlich versucht doch jeder für die Verhandlung einen Informationsvorsprung zu ergattern. Oder nicht? Manche mit legitimen Mitteln und manche eben durch mehr oder weniger illegale Spionagemethoden. Auch wenn es im europäischen Kulturraum noch nicht so verbreitet ist, weiß ich aus eigener Erfahrung: Bei großen Deals wird auch in Deutschland spioniert. Und wenn es um Verhandlungen geht, an denen der Staat ein Interesse hat, dann sowieso. Es gibt eben nichts, was es nicht gibt, wenn zwei Parteien unterschiedliche Ziele verfolgen.

Moderne Technik macht’s möglich

Da werden Besprechungsräume und Hotelzimmer verwanzt, manchmal sogar Spionagesoftware auf Handys und Laptops geschleust. Und die moderne Technik bietet noch deutlich mehr Optionen: Haben Sie sich schon einmal gefragt, wofür Ihr Handy die Funktion „Anrufannahme ohne klingeln“ hat? Ich kann es Ihnen sagen: Unter anderem für Verhandlungen.

Zumeist gehen Vertriebler ja zum Kunden, um die Verhandlungsgespräche zu führen. Wenn der Einkäufer dann das Zimmer mit dem Angebot verlässt, damit Sie sich ein paar Minuten besprechen können, und er sein Jackett nicht mitnimmt, ist das ein Grund, misstrauisch zu werden. Denn er könnte aus dem Büro sein eigenes Handy anwählen und mithören – das Gespräch wird nämlich ohne Klingeln angenommen.

Ob das illegal ist oder nicht, ist Streitgegenstand der Juristen – illegitim ist es auf jeden Fall.

Die Wanze in Persona

Letztlich können auch Menschen prima zur Spionage eingesetzt werden. Vielleicht nicht ganz so wie bei James Bond, aber es gibt doch jede Menge raffinierte Möglichkeiten.

Ein Bekannter erzählte mir beispielsweise, dass er einen seiner Mitarbeiter in dieselbe Maschine gesetzt hatte, die seine Kunden auch nahmen. Die Strecke wird nicht so oft geflogen und es war ein Leichtes, herauszufinden, welchen Flug die Kunden nehmen würden. Dann folgte der Anruf beim serviceorientierten Lufthansa-Personal: „Meine Kollegen Müller und Schneider haben schon eingescheckt, könnten Sie mir bitte einen Platz direkt daneben geben.“ Und ganz schnell saß sein Mitarbeiter neben den Verhandlungsführern der Gegenseite. Den Vorbereitungen für die Verhandlung zu lauschen, war dann ein Kinderspiel.

Sie bestimmen, wer mithört

Ob in der Bahn, im Flugzeug oder Besprechungszimmer – Leute, seid vorsichtig! Überall gibt es Zuseher und Zuhörer, die im Zweifel die Namen der Firma oder gar der Personen kennen, über die Sie reden. Da hilft nur absolute Vorsicht.

Präventive Maßnahmen gibt es viele: Bereiten Sie die Verhandlung zu Hause bzw. im Büro vor, nutzen Sie in China vielleicht auch mal ein Prepaidhandy, reservieren Sie im Zug ein geschlossenes Abteil, buchen Sie Ihr Hotelzimmer selbst, stimmen Sie sich beim Spazieren und nicht im Konferenzraum ab, um Gottes Willen nennen Sie in der Öffentlichkeit niemals Namen. Die Konkurrenz und die Verhandlungsgegner lauern überall.

Wenn es Ihnen also doch einmal passiert, dass Sie abgehört werden, können Sie nur versuchen, den taktischen Nachteil in der Verhandlung wieder wett zu machen. Aber wer nicht ganz naiv und lautstark durch die Welt geht, kann sich recht gut vor Lauschangriffen schützen.

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